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CRV 1:3 Setup auf dunklem Premium-Arbeitsplatz

Chance-Risiko-Verhältnis — Warum es wichtiger ist als die Trefferquote

beginnerRisiko & Psychologie9 min read

Das Chance-Risiko-Verhältnis (kurz CRV oder Risk-Reward-Ratio) entscheidet darüber, ob deine Trading-Strategie langfristig Geld verdient oder nur dein Konto leert. Während 90% aller Hobby-Trader nur auf ihre Trefferquote starren, verstehen Profis: Es geht nicht darum, wie oft du richtig liegst — sondern wie viel du gewinnst, wenn du richtig liegst.

Ein Trader mit 30% Trefferquote kann deutlich mehr verdienen als einer mit 70%. Klingt verrĂĽckt? Ist aber reine Mathematik.

Was ist das Chance-Risiko-Verhältnis

Das CRV ist das Verhältnis zwischen deinem möglichen Gewinn und deinem maximalen Verlust bei einem Trade. Du teilst einfach deinen geplanten Profit durch dein geplantes Risiko.

Riskierst du 100€ für einen möglichen Gewinn von 200€, hast du ein CRV von 2:1 oder einfach "1:2". Das bedeutet: Für jeden Euro Risiko willst du zwei Euro Gewinn.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel im EUR/USD:

  • Einstieg bei 1.0950
  • Stop-Loss bei 1.0920 (30 Pips Risiko)
  • Take-Profit bei 1.1010 (60 Pips Gewinn)
  • CRV = 60/30 = 1:2

💡 Nice to Know: Die meisten Profi-Trader nutzen die Schreibweise 1:X (z.B. 1:3) anstatt 3:1. Das macht es einfacher zu verstehen: "Für 1€ Risiko will ich 3€ Gewinn."

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Wie du das CRV berechnest

Die Formel ist simpel: CRV = (Take-Profit - Einstieg) / (Einstieg - Stop-Loss)

Bei Short-Positionen drehst du es um: CRV = (Einstieg - Take-Profit) / (Stop-Loss - Einstieg)

Aber vergiss die Formeln. In der Praxis machst du es so:

  1. Bestimme deinen Invalidierungspunkt (wo der Trade definitiv falsch ist)
  2. Setze dort deinen Stop-Loss
  3. Suche das nächste realistische Kursziel (Support/Resistance, Fibonacci-Level)
  4. Rechne das Verhältnis aus

Bei einer Long-Position im EURUSD:

  • Stop bei 1.0900 (50 Pips unter Einstieg)
  • Ziel bei 1.1100 (100 Pips ĂĽber Einstieg)
  • CRV = 100/50 = 1:2

🎯 Pro Tipp: Prüfe ob das nächste realistische Ziel 1:2+ ergibt bevor du einsteigst — wenn nicht, überspringe den Trade.

Warum das CRV wichtiger ist als die Trefferquote

Hier wird's interessant. Die meisten Anfänger denken: "Ich muss öfter richtig liegen als falsch, dann verdiene ich Geld." Totaler Quatsch.

Schauen wir uns zwei Trader an:

Trader A (der "Akkurate"):

  • Trefferquote: 80%
  • CRV: 1:0.5 (verliert 100€, gewinnt 50€)
  • 10 Trades: 8 Gewinne (400€), 2 Verluste (200€)
  • Netto: +200€

Trader B (der "Mathematiker"):

  • Trefferquote: 40%
  • CRV: 1:3 (verliert 100€, gewinnt 300€)
  • 10 Trades: 4 Gewinne (1200€), 6 Verluste (600€)
  • Netto: +600€

Trader B verdient dreimal so viel, obwohl er dreimal öfter falsch liegt. Das ist die Macht des CRV.

⚠️ Achtung: Ein 1:5 CRV bedeutet nichts bei 10% Trefferquote. Die Kombination muss stimmen.

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Die Breakeven-Tabelle

Diese Tabelle sollte in Fleisch und Blut ĂĽbergehen. Sie zeigt dir, welche Mindest-Trefferquote du fĂĽr verschiedene CRVs brauchst, um die Gewinnschwelle zu erreichen:

  • CRV 1:1 → 50% Trefferquote nötig
  • CRV 1:1.5 → 40% Trefferquote nötig
  • CRV 1:2 → 33% Trefferquote nötig
  • CRV 1:3 → 25% Trefferquote nötig
  • CRV 1:4 → 20% Trefferquote nötig
  • CRV 1:5 → 17% Trefferquote nötig

Die Formel dahinter: Breakeven-Quote = 1 / (1 + CRV)

FĂĽr ein 1:2 CRV: 1 / (1 + 2) = 33%

🎯 Pro Tipp: 40% Trefferquote bei 1:2 CRV ist solide profitabel — du musst nicht die meiste Zeit richtig liegen.

Den Stop-Loss richtig setzen

Hier machen 90% aller Trader den entscheidenden Fehler: Sie setzen ihren Stop basierend auf dem gewünschten CRV. Völlig falsch.

Der Stop-Loss gehört an den Invalidierungspunkt — den Kurs, wo deine Trade-Idee definitiv gescheitert ist. Nicht einen Pip davor, nicht einen Pip dahinter.

Beispiele fĂĽr Invalidierungspunkte:

  • Bei Breakout-Trades: ZurĂĽck unter die gebrochene Resistance
  • Bei Pullback-Trades: Unter das letzte Swing-Low
  • Bei Trendfortsetzungen: Unter die unterstĂĽtzende Trendlinie

Ein Trade im DAX:

  • Resistance-Breakout bei 15.800
  • Invalidierung bei 15.750 (zurĂĽck unter Resistance)
  • Stop bei 15.745 (paar Punkte Puffer fĂĽr Noise)

Der Stop richtet sich nach der Technik, nicht nach deinem Wunsch-CRV. Verstehen viele nicht, kostet aber Millionen.

⚠️ Achtung: Passe deinen Stop nicht an um ein besseres CRV zu erzeugen — der Stop muss am technischen Invalidierungspunkt sein.

Wenn du bei Unterstützung & Widerstand — Das Fundament jedes Trades nachschlägst, findest du mehr Details zu technischen Invalidierungspunkten.

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Den Take-Profit strategisch platzieren

Während der Stop fix ist, hast du beim Take-Profit mehr Flexibilität. Aber auch hier gilt: Setze ihn an technisch sinnvolle Level, nicht an willkürliche Kurse.

Gute Take-Profit-Level:

  • Major Support/Resistance auf höheren Timeframes
  • Fibonacci Extensions (161.8%, 261.8%)
  • Round Numbers (1.1000, 15.000, 20.000)
  • Vorherige Swing-Highs/Lows
  • Trendlinien und Channels

Ein Long-Trade im EURUSD:

Das schöne: Wenn das erste Ziel zu nah für ein 1:2 CRV ist, nimmst du das nächste Level. Ergibt das immer noch kein 1:2, lässt du den Trade bleiben.

💡 Nice to Know: Viele Profis nutzen den ATR Indikator — Average True Range für Stops & Volatilität, um realistische Kursziele basierend auf der aktuellen Volatilität zu berechnen.

Das Trade-Entscheidungsframework

Hier ist dein simples Framework fĂĽr jeden Trade:

  1. Identifiziere den Invalidierungspunkt (technisch, nicht willkĂĽrlich)
  2. Berechne das Risiko (Einstieg bis Stop)
  3. Finde das nächste realistische Ziel (Support/Resistance, Fibonacci)
  4. Berechne das CRV (Gewinn geteilt durch Risiko)
  5. Mindestens 1:2? Ja → Trade möglich. Nein → Skip

Ein konkreter EUR/JPY Trade:

  1. Invalidierung bei 145.50 (unter Support)
  2. Risiko: 30 Pips (146.00 - 145.70)
  3. Nächstes Ziel: 147.00 (previous High)
  4. CRV: 100 Pips / 30 Pips = 1:3.3
  5. Deutlich über 1:2 → Trade nehmen

Falls das Ziel nur bei 146.50 läge (50 Pips Gewinn), wäre das CRV nur 1:1.7. Zu schlecht, Trade skippen.

⚠️ Achtung: Rechne Trading-Kosten ein — 1:1 CRV nach Kommissionen und Spread kann negativ sein.

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Multiple Take-Profit Level

Profis nehmen selten ihre komplette Position auf einmal raus. Sie skalieren aus — verkaufen Teile der Position bei verschiedenen Zielen.

Eine typische Strategie:

  • 50% bei 1:2 (sichert Grundgewinn)
  • 30% bei 1:4 (lässt Gewinnern laufen)
  • 20% Trailing Stop (fĂĽr die groĂźen Moves)

Bei einem GBPUSD Long-Trade:

  • Einstieg: 1.2500 (1000 Einheiten)
  • Stop: 1.2450 (50 Pips Risiko)
  • 500 Einheiten bei 1.2600 (1:2, +500 Pips)
  • 300 Einheiten bei 1.2700 (1:4, +600 Pips)
  • 200 Einheiten mit Trailing Stop

Das Gesamtergebnis ist oft besser als "alles oder nichts". Du sicherst früh Gewinne und lässt trotzdem Raum für große Moves.

Der Nachteil: Mehr Komplexität und mehr Transaktionskosten. Für Anfänger reicht erstmal ein Take-Profit bei 1:2 oder 1:3.

CRV und verschiedene Trading-Stile

Verschiedene Ansätze brauchen verschiedene CRVs:

Scalping (1-15 Minuten):

  • Typisches CRV: 1:1 bis 1:1.5
  • Hohe Trefferquote nötig (60-70%)
  • Viele Trades, kleine Moves

Daytrading (15 Minuten - 4 Stunden):

  • Typisches CRV: 1:2 bis 1:3
  • Moderate Trefferquote (40-50%)
  • Ausgewogene Strategie

Swing Trading (Tage bis Wochen):

  • Typisches CRV: 1:3 bis 1:10
  • Niedrigere Trefferquote ok (30-40%)
  • Weniger Trades, größere Moves

Bei Order Blocks — Wo Institutionen ihre Spuren hinterlassen findest du längerfristige Setups mit hohen CRVs.

💡 Nice to Know: Institutionelle Trader arbeiten oft mit CRVs von 1:5 oder höher, haben aber entsprechend niedrige Trefferquoten von 20-30%.

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Die häufigsten CRV-Fehler

Fehler #1: Stop anpassen für besseres CRV Du siehst ein Setup mit schlechtem CRV und schiebst den Stop weiter weg. Der Stop gehört an den Invalidierungspunkt, nicht an deine CRV-Wünsche.

Fehler #2: Unrealistische Take-Profits Du willst 1:5, aber zwischen Einstieg und Ziel liegen drei Major-Resistance-Level. Sei realistisch bei der Zielwahl.

Fehler #3: CRV ohne Kontext Ein 1:10 CRV ist wertlos, wenn du nur 5% Trefferquote hast. Die Kombination aus CRV und Win-Rate muss stimmen.

Fehler #4: Trading-Kosten ignorieren Bei 2 Pips Spread und 1 Pip Kommission brauchst du 3 Pips Gewinn nur fĂĽr Breakeven. Aus 1:1 wird schnell 1:0.5.

Fehler #5: Emotionale Anpassungen Der Trade läuft gegen dich und du verschiebst den Stop "nur noch 10 Pips". Damit zerstörst du dein komplettes Risikomanagement.

⚠️ Achtung: Diese Fehler kosten mehr Geld als alle schlechten Setups zusammen. Halte dich an deine Regeln.

SchlĂĽsselerkenntnisse

Das CRV ist die Grundlage für profitables Trading. Ohne ein System aus Stop-Loss, Take-Profit und Positionsgröße tradest du nur Glücksspiel.

Die wichtigsten Punkte:

  • Minimum 1:2 CRV fĂĽr die meisten Strategien
  • Stop am Invalidierungspunkt, nicht am Wunsch-CRV
  • Take-Profit an technischen Leveln, nicht willkĂĽrlichen Kursen
  • 33% Trefferquote reicht bei 1:2 fĂĽr Profitabilität
  • Trading-Kosten einrechnen in deine CRV-Kalkulation

Das CRV allein macht dich nicht profitabel. Du brauchst auch die richtige Positionsgröße — Wie viel du pro Trade riskierst und eine solide Trading Psychologie — Das mentale Spiel meistern.

Aber ohne vernünftiges CRV kannst du die beste Strategie der Welt haben und verlierst trotzdem Geld. Erst wenn du verstehst, dass es nicht um häufig richtig liegen geht, sondern um die Größe deiner Gewinne vs. Verluste, fängst du an wie ein Profi zu denken.

Backtesting — Beweise deine Strategie bevor du Geld riskierst hilft dir dabei, realistische CRVs und Trefferquoten für deine Setups zu ermitteln.

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FAQ

Was ist das minimale CRV?

Die meisten professionellen Trader nutzen 1:2 als Minimum. Das erfordert nur 33% Trefferquote zum Breakeven — erreichbar für jede vernünftige Strategie.

Kann ich mit 1:1 CRV profitabel sein?

Ja, aber du brauchst ĂĽber 50% Trefferquote plus Puffer fĂĽr Trading-Kosten. Realistisch solltest du 60-65% schaffen. Das ist deutlich schwieriger als 33% bei 1:2 CRV.

Wie wichtig sind Trading-Kosten bei der CRV-Berechnung?

Extrem wichtig bei kurzen Timeframes. Bei 3 Pips Gesamtkosten (Spread + Kommission) reduziert sich ein 1:2 CRV mit 20 Pips Risiko auf etwa 1:1.7. Bei Swing-Trades mit 100+ Pips Risiko weniger relevant.

Sollte ich mein CRV-Ziel anpassen wenn der Trade gut läuft?

Du kannst mit Trailing-Stops mehr rausholen, aber verschiebe nie den ursprünglichen Take-Profit nach oben. Das führt zu Gier und du lässt sichere Gewinne liegen.

Was mache ich wenn kein Setup ein 1:2 CRV bietet?

Dann tradest du nicht. Warten ist ein wichtiger Teil des Tradings. Lieber drei gute Trades pro Woche als zehn schlechte pro Tag.


Weiter lesen: Positionsgröße — Wie viel du pro Trade riskierst — CRV sagt dir OB ein Trade sich lohnt. Positionsgröße sagt dir WIEVIEL du riskierst — die andere Hälfte der Gleichung.

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